Nach unserem langen Ausflug nach Cascais und Sintra lassen wir es am nächsten Morgen deutlich gemütlicher angehen.
Ausschlafen.
In Ruhe frühstücken.
Und dann schauen wir uns Lissabon an.
Diesmal allerdings mit wesentlich weniger Eigenleistung unserer Füße. 🤣
Wir haben uns für den Hop-on-Hop-off-Bus entschieden.
Und ich muss sagen:
Das ist eine herrliche Art, eine Stadt kennenzulernen!
Man kommt an allem vorbei, was wichtig ist, bekommt unterwegs Informationen und sitzt dabei ganz gemütlich im Bus.
Und bei schönem Wetter sogar:
oben ohne! 🤣
Also natürlich nur der Bus.
Das Dach! 😉
Bevor wir allerdings losfahren können, müssen wir erst einmal unseren Voucher gegen ein richtiges Ticket eintauschen.
Dafür müssen wir zu der großen Statue mit dem Mann und dem Löwen.

Inzwischen weiß ich auch, wer der Mann ist:
Marquês de Pombal.
Der Löwe an seiner Seite steht für Macht und Stärke. Und der Herr selbst spielte eine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau Lissabons nach dem großen Erdbeben von 1755.
Sein Denkmal steht mitten auf einem riesigen Kreisverkehr und ist kaum zu übersehen.
Zum Glück.
Denn genau dort befindet sich auch der Schalter, an dem wir unsere richtigen Tickets bekommen.
Voucher herzeigen.
Tickets bekommen.
Bus suchen.
Und dann:
Ab nach oben! 🚌
Wir erwischen die rote Linie, machen es uns im offenen Oberdeck gemütlich und können endlich loslegen.
Lissabon, wir kommen!
Heute allerdings ganz bequem im Sitzen. 🤣
Erst einmal sitzen bleiben
Unser Plan für heute ist ziemlich einfach:
Zuerst fahren wir einmal die ganze Runde.
Ganz gemütlich.
Wir schauen uns alles vom Bus aus an und steigen danach dort aus, wo es uns besonders gut gefallen hat.
Wir sind schließlich beide nicht die Schnellsten zu Fuß. 😉
Und so bekommen wir erst einmal einen wunderbaren Überblick über Lissabon.
Wir fahren durch breite Straßen und enge Gassen, Hügel hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter.
Und natürlich sitzen wir oben.
Wenn schon oben ohne, dann richtig. 🤣
Manchmal geht es unter so tief hängenden Bäumen durch, dass man fast automatisch den Kopf einzieht.
So zieht Lissabon an uns vorbei.

















Wir kommen am Bahnhof mitten in der Stadt vorbei, von dem aus die Züge Richtung Cascais fahren, sehen Theater, Paläste und Universitäten.
Es geht unter der roten Brücke durch und hinaus bis zum Torre de Belém.
Eigentlich wollen wir ja erst einmal die ganze Runde fahren.
Eigentlich. 😉
Denn irgendwann sehe ich eine große Basilika.

Und die spricht mich irgendwie an.
Keine Ahnung warum.
Aber ich beschließe:
Da müssen wir raus!
Also scheuche ich Mama kurzerhand aus dem Bus. 🤣
Wobei ich zugeben muss, dass meine plötzliche Begeisterung für Kirchen noch einen zweiten, wesentlich banaleren Grund hat:
Ich brauche ein Klo.
Dringend. 🤣
Ein Tixi-Klo und ein wunderschöner Baum
Gegenüber der Kirche liegt ein schöner Park mit Spielplatz.
Na bitte!
Wo ein Park und ein Spielplatz sind, wird es doch wohl auch eine Toilette geben.
Gibt es.
Ein Tixi-Klo. 😱
Naja.
Auch egal.
Ich bin ja flexibel und es ist besser als ein Busch. 🤣
Deutlich erleichtert drehen wir anschließend eine Runde durch den Park.
Und dort wartet schon die nächste Überraschung.



Wir entdecken einen Florettseidenbaum.
Die Bäume blühen gerade und sind mit ihren großen rosa Blüten wirklich eine unglaubliche Pracht. 🌸
Da muss man einfach stehen bleiben und schauen.
Ein hübscher Pavillon im Park lädt uns dann auch noch dazu ein, etwas zu trinken.
Also setzen wir uns.
Schauen ein bisschen.
Trinken etwas.
Genau so darf Hop-on-Hop-off für uns sein.
Nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzen, sondern aussteigen, weil uns etwas gefällt – und dann schauen, was wir entdecken.
Und irgendwann erinnern wir uns natürlich auch wieder daran, warum wir hier überhaupt ausgestiegen sind.
Die große Kirche!
Die Basílica da Estrela
Also gehen wir hinein.
Und jetzt weiß ich auch, warum sie mich aus dem Bus gelockt hat.
Es ist die Basílica da Estrela.
Die Kirche entstand aufgrund eines Gelübdes von Königin Maria I.
Sie hatte versprochen, eine Kirche errichten zu lassen, wenn sie einen Sohn und Thronfolger bekommen würde.
Der ersehnte Sohn kam – und Maria hielt ihr Versprechen.
So entstand im 18. Jahrhundert in nur zehn Jahren Bauzeit diese beeindruckende Basilika, deren große weiße Kuppel schon von weitem über Lissabon zu sehen ist.
Wir gehen durch das Kirchenschiff und sind ziemlich beeindruckt.
Was für eine Kirche!








Innen ist sie riesengroß und wahnsinnig hoch.
Mit den dunklen Bänken, den Wänden und Bildern wirkt sie auf mich zwar ein wenig düster – aber trotzdem wunderschön.
Und dann wird auch noch Kirchenmusik gespielt.
Das macht die Stimmung noch einmal ganz besonders. ❤️
Wir gehen weiter, schauen uns um und entdecken schließlich den Sarkophag von Maria I.

Und dort fällt uns ein Schild auf.
Es weist auf eine ganz besondere Weihnachtskrippe hin.
Natürlich sind wir neugierig.
Bloß …
Wo ist die? 🤔
Eine Krippe, die sich versteckt
Wir suchen.
Und suchen.
Keine Krippe.
Dafür finden wir einen Ticketshop und fragen dort nach.
Die Dame ist ausgesprochen nett und erzählt uns einiges über die Kirche und die Besonderheit dieser Krippe.
Und je mehr sie erzählt, desto neugieriger werden wir.
Also kaufen wir zwei Tickets.
Zurück im Kirchenschiff finden wir schließlich auch den Herrn, der uns die Tür zur Krippe öffnen soll.
Und diese Tür muss man erst einmal finden!
Sie versteckt sich hinter dem Grab von Maria I. 😳
Er sperrt für uns auf, wieselt durch den ganzen Raum und schaltet hier einen Lichtschalter ein und dort noch einen.
Und plötzlich steht sie vor uns.

Die Krippe.
Wobei „Krippe“ eigentlich ein bisschen untertrieben ist.
Das Ding ist so groß wie ein Zimmer!
Hinter Glas, beleuchtet, bunt – und irgendwie fast lebendig.
Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde in der Werkstatt des bedeutenden portugiesischen Bildhauers Joaquim Machado de Castro geschaffen.
Natürlich gibt es die klassische Weihnachtsszene:

Maria, Josef und das Kind.
Hirten und Schafe.
Die Heiligen Drei Könige.
Aber rund um Bethlehem spielt sich gleichzeitig das ganz normale Leben ab.
Und genau das macht diese Krippe für mich so besonders.






Da sind Wäschemädels, Kartenspieler, ein Jäger mit seinem Hund und Kinder beim Fischen.
Wir entdecken einen Dudelsackspieler, der von den Menschen bestaunt wird.
Und mitten durch das ganze Gewusel spaziert sogar eine Kurtisane in einem auffälligen gelben Gewand.
Überall gibt es etwas zu entdecken.
Kleine Szenen.
Menschen.
Tiere.
Geschichten.
Die Figuren sind aus Ton und wunderschön bemalt.
Mehr als 400 Figuren sollen es insgesamt sein.
Und wir stehen davor und schauen und schauen.
Denn je länger man hinsieht, desto mehr entdeckt man.
Eigentlich wollten wir heute nur gemütlich mit dem Hop-on-Hop-off-Bus durch Lissabon fahren.
Dann hat mich diese Basilika irgendwie angesprochen.
Ich habe Mama aus dem Bus gescheucht.
Musste aufs Klo.
Wir sind bei einem blühenden Florettseidenbaum gelandet.
Haben etwas im Park getrunken.
Und stehen jetzt vor einer mehrere hundert Jahre alten, riesigen Weihnachtskrippe, von deren Existenz wir heute Morgen noch überhaupt nichts wussten.
Genau deshalb liebe ich solche Tage. ❤️
Die schönsten Dinge stehen manchmal eben nicht auf dem Plan.
110 Stufen später …
Mama hat inzwischen genug gesehen.
Sie bleibt im angenehm kühlen Kirchenschiff.
Ich dagegen entdecke, dass man auf das Dach der Basilika hinauf kann.
Natürlich muss ich da rauf. 🤣
Also los.
Mehr als 110 Stufen geht es nach oben.
Aber oben angekommen ist die Anstrengung sofort vergessen.




Was für ein Ausblick!
Von hier oben sehe ich über die Dächer von Lissabon bis zum Tejo.
Und dann sind da die Flugzeuge.
Sie kommen beim Landeanflug so nahe vorbei, dass man fast das Gefühl hat, man könnte die Hand ausstrecken und sie berühren. ✈️
Und es wird noch besser.
Man kann hier oben sogar in die Kuppel der Basilika gehen.




Plötzlich sehe ich die Kirche aus einer völlig anderen Perspektive.
Ein tolles Erlebnis!
Und dafür haben sich die über 110 Stufen definitiv gelohnt. ❤️
Danach geht es wieder hinunter zu Mama.
Tram 28 – wir fahren schon wieder falsch 🤣
Jetzt wollen wir zurück zum Hotel.
Und diesmal soll es endlich klappen mit der berühmten Tramlinie 28.

Am ersten Tag waren die Straßenbahnen so voll, dass wir keine Chance hatten.
Heute schaut es besser aus.
Da kommt eine!
Und die ist sogar erstaunlich leer.
Perfekt!
Wir steigen ein.
Dass sie in die falsche Richtung fährt, stellen wir dann auch irgendwann fest. 🤣
Aber gut.
Was soll’s?
Dann bleiben wir eben sitzen und fahren anschließend einfach wieder zurück.
So zumindest unser genialer Plan.
Nur haben wir dabei eine Kleinigkeit übersehen:
Endstation heißt Endstation.
Alle aussteigen!
🤣🤣🤣
Also stehen wir nach gerade einmal drei Stationen wieder draußen und müssen uns für die Fahrt in die andere Richtung anstellen.
Wobei …
Ich muss gestehen:
Wir haben uns ein bisschen vorgeschwindelt. 🙈
Die nächste Tram ist schon unsere.
Zunächst gibt es nur Stehplätze.
Doch bald bekommt zumindest Mama einen Sitzplatz.
Und irgendwann darf auch ich sitzen.
Jetzt können wir endlich das machen, weshalb die Linie 28 so berühmt ist.





Wir rumpeln mit der kleinen gelben Straßenbahn über Lissabons Hügel und durch schmale Gassen.
Bergauf.
Bergab.
Kurven.
Gassen.
Und diesmal sogar in die richtige Richtung. 🤣
So fahren wir bis fast zu unserem Hotel.
Mission Tram 28:
erfolgreich abgeschlossen!
Na gut.
Mit einem kleinen Umweg. 😉
Füße hoch!
Im Hotel gibt es jetzt nur noch einen Plan:
Füße hoch.
Endlich.
Allerdings nicht besonders lange.
Denn kurz vor sechs heißt es schon wieder:
Aufstehen.
Fertig machen.
Los geht’s.
Heute Abend wartet nämlich Fado mit Abendessen auf uns. ❤️🇵🇹
Und ich habe einen Plan.
Wir fahren öffentlich hin.
Schließlich sind wir jetzt schon ein paar Tage in Lissabon und kennen Metro, Straßenbahn und Bus.
Was soll da noch schiefgehen?
Fado – wenn wir denn dort ankommen … 🤣
Ich will besonders cool sein. 😎
Bus 734 ist der richtige.
An der Haltestelle entdecke ich zwar einen Hinweis auf eine Umleitung.
Aber davon lasse ich mich doch nicht irritieren.
Portugiesisch kann ich schließlich nicht.
Also kann ich auch nicht lesen, was da steht. 🤣
Bus kommt.
Mama und ich steigen ein.
Läuft!
Ungefähr vier Haltestellen lang.
Dann beschleicht mich langsam das ungute Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt.
Ich schaue aufs Handy.
Schaue aus dem Fenster.
Wieder aufs Handy.
Wir fahren in die falsche Richtung. 😱🫣
Nicht schon wieder!
Heute Nachmittag haben wir es bereits geschafft, mit der Tram 28 in die falsche Richtung zu fahren.
Und jetzt sitzen wir auch noch im Bus und entfernen uns offenbar von unserem Ziel.
Also nach vorne zum Fahrer.
Der junge Mann schaut mich freundlich an.
Ich versuche es auf Englisch.
Er versteht mich nicht.
Er antwortet auf Portugiesisch.
Das wiederum verstehe ich nicht.
Perfekt.
Er kann kein Englisch.
Und ich kann noch immer kein Portugiesisch.
🤣🤣🤣
Irgendwie will er uns unbedingt mit dem Bus 712 weiterschicken.
Warum genau, verstehen wir allerdings nicht.
Und die Uhr läuft.
Also beschließen wir irgendwann:
Wir müssen hier raus.
Am Monte Irgendwas verlassen wir den 734er.
Mein Ehrgeiz, besonders cool mit den Öffis zum Fado zu fahren, ist damit offiziell beendet. 🤣
Handy raus.
Uber bestellen.
Der kommt.
Wir steigen ein.
Und dann geht es wieder einmal:
Hügel hinauf.
Hügel hinunter.
Links.
Rechts.
Gefühlt hundertmal ums Eck.
Mittlerweile ist mir völlig schleierhaft, wo wir eigentlich sind.
Aber wenigstens fährt jetzt jemand, der weiß, wo wir hinwollen. 🤣
Am Ende kommen wir tatsächlich an.
Zehn Minuten zu spät.
Na bravo.
Aber unsere Sorge ist völlig unbegründet.
Wir werden herzlich empfangen und zu unserem Platz gebracht.
Wir sitzen.
Wir sind da.
Geschafft!
Also …
körperlich zumindest. 🤣
Mein Kopf braucht noch ungefähr 15 Minuten länger, bis auch er wirklich beim Fado-Abend angekommen ist.
Aber dann kann ich endlich loslassen.
Das Essen ist ausgezeichnet.




Wir sitzen da, hören dem Fado zu und genießen diesen besonderen Abend.
Nach dem ganzen Hin und Her auf dem Weg hierher tut es richtig gut, einfach nur dazusitzen, zu essen und zuzuhören. ❤️






Gegen 21 Uhr ist der Zauber vorbei.
Und diesmal bin ich nicht mehr cool.
Diesmal bin ich schlau. 🤣
Wir nehmen einen Bolt zurück zum Hotel.
Keine Buslinie.
Keine Umleitung.
Keine falsche Richtung.
Keine Experimente mehr.
Und dort geht es eigentlich nur noch:
Tür auf.
Rein.
Und blitzschnell ins Bett. 😴
Was für ein Tag!
Wir wollten Lissabon heute ganz gemütlich mit dem Hop-on-Hop-off-Bus erkunden.
Am Ende gab es eine Basilika, eine riesige Weihnachtskrippe, über 110 Stufen aufs Kirchendach, die Tram 28 in die falsche Richtung, den Bus 734 mit Umleitung, leichte Verständigungsschwierigkeiten, eine Uber-Rettungsaktion und schließlich einen wunderschönen Fado-Abend.
Gemütlich können wir offenbar nicht besonders gut. 🤣
Aber morgen versuchen wir es einfach noch einmal.
Unser Hop-on-Hop-off-Ticket gilt schließlich noch.
Fortsetzung folgt … 🚌🇵🇹
