Von Salzminen, Kirchenburgen, alten Familienhäusern und heiligen Zwetschgen

Nach Ungarn ging es für uns weiter nach Rumänien.
Der Grenzübertritt war denkbar unspektakulär.
Keine Kontrolle, kein Warten – einfach über die Grenze fahren.
Alles EU.
Unser erstes Ziel war Turda und dort wollten wir uns gleich einmal unter die Erde begeben.
Eine andere Welt unter der Erde
Die Salina Turda ist eine alte, stillgelegte Salzmine, die heute zu einer ziemlich spektakulären Besucherattraktion umgebaut wurde.

Und spektakulär ist wirklich das richtige Wort dafür.
Wenn man das erste Mal von oben in diese riesigen Hallen schaut, hat man das Gefühl, auf einem anderen Planeten gelandet zu sein.
Tief unten befinden sich unter anderem ein Riesenrad und verschiedene Freizeitangebote. In einem unterirdischen Salzsee kann man sogar mit kleinen Booten herumrudern.


Wir haben allerdings keines der Angebote ausprobiert.
Es waren unglaublich viele Menschen dort und vor allem vor den Liften bildeten sich lange Schlangen.
Also nahmen wir meistens die engen Holztreppen.

Auch ein Erlebnis. 😬
Überall setzt sich das Salz an den Oberflächen ab und bildet wunderschöne weiße Kristalle.
Und sogar beim Atmen schmeckt man das Salz in der Luft.


Es gibt dort auch einen richtigen Heilstollen, in dem man lesen, spielen oder einfach nur sitzen und dösen kann.
Eine tolle Sache!
Was mir übrigens schon in Ungarn aufgefallen war und sich in Rumänien fortsetzte:
Mit meinem Behindertenausweis hatte ich in sehr vielen Museen und Sehenswürdigkeiten freien Eintritt.
Es war nicht immer angeschrieben. Ich habe einfach gefragt.
Und sehr oft durfte sogar Michi als Begleitperson kostenlos mit hinein.
In Turda musste er allerdings bezahlen.
Seniorenticket. 🤣
Märchenhaft schön – die Thorenburger Klamm
Von Turda ging es weiter zur Thorenburger Klamm.
Zuerst fuhren wir auf einen Aussichtspunkt gegenüber der Klamm.

Und danach wollten wir natürlich hinein.
Also wieder hinunter und losmarschiert.
Der Weg durch die Klamm war teilweise durchaus abenteuerlich. Schmal, stellenweise kaum gesichert und immer wieder direkt am Felsen entlang.

Für den Weg durch die Klamm brauchten wir ungefähr eine Stunde.
Und dann natürlich noch einmal eine Stunde zurück.
Aber es hat sich gelohnt.
Die späte Nachmittagssonne fiel zwischen die Felswände und tauchte die Klamm in ein wunderschönes Licht.

Es war märchenhaft schön.
Danach fuhren wir wieder hinauf auf den Aussichtshügel und beschlossen, dort gleich unser Nachtlager aufzuschlagen.
Ein zweites kleines Wohnmobil stand etwas weiter entfernt.
Ansonsten hatten wir unsere Ruhe.
Ich beurteile beim Freistehen eigentlich jeden Platz für sich. Wie ist die Umgebung? Wie fühlt es sich an? Habe ich ein gutes Gefühl oder nicht?
Hier hatte ich ein sehr gutes.
Und außerdem hatten wir Bewachung. 😉
Rund um unseren Stellplatz lebte ein größeres Rudel friedlicher Hütehunde mit einigen Welpen.
Wir haben sie nicht gefüttert, aber natürlich gestreichelt.
Sie umrundeten unser Wohnmobil, inspizierten uns ausgiebig und befanden uns offensichtlich für gut.
🤣🤣🤣
Damit war die Sache geklärt.
Wir durften bleiben.
Aus den Resten im Kühlschrank kochte ich eine Brotsuppe und wir saßen beim Wohnmobil, aßen unsere Suppe und sahen zu, wie die Sonne hinter der Klamm unterging.

Später wurde es richtig dunkel.
Keine Straßenlaternen. Keine Stadt in der Nähe. Kaum Lichtverschmutzung.
Und über uns ein unglaublicher Sternenhimmel.

Einer dieser Abende, für die man eigentlich gar nichts braucht.
Auf den Spuren meines Opas
Am nächsten Morgen stand die Sonne schon am Himmel, als wir aufwachten.

Auf einer Wiese ganz in der Nähe grasten Pferde.
Wir frühstückten und machten uns danach auf den Weg nach Mühlbach.
Und ab diesem Zeitpunkt wurde diese Reise für mich sehr persönlich.
Mein Opa wurde in Mühlbach geboren und ist dort aufgewachsen.
Ich wollte diesen Ort sehen.
Ein bisschen schauen und vielleicht auch spüren, wo ein Teil meiner Wurzeln liegt.
Wir parkten das Wohnmobil auf dem Platz vor der Kirche und gingen hinein.

Es war gerade Messe.
Also setzten wir uns dazu, verbrachten die letzten Minuten in Andacht und sahen uns danach die Kirche an.
Und dann stand ich draußen und wusste nicht so recht:
Was jetzt?
Ich wollte unbedingt das Haus meiner Familie finden.
Ich kannte es von alten Fotos aus unserem Familienalbum. Aber Mühlbach ist groß genug, dass man ein bestimmtes Haus nicht einfach zufällig findet.
Also fasste ich mir ein Herz und sprach eine Frau vor der Kirche an.
Und manchmal muss man auf Reisen einfach ein bisschen Glück haben.
Sie sprach Deutsch.
Wie viele Menschen in Siebenbürgen.
Und nicht nur das.
Sie kannte die Häuser!
Das Haus meines Onkels, das Haus meiner Urgroßeltern und auch das eines Großonkels.
Und diese völlig fremde Frau nahm sich tatsächlich ungefähr eine Stunde Zeit und ging mit uns durch den Ort, um uns alles zu zeigen.
Ich fand das ehrlich genial.
Und unglaublich nett.
Häuser voller Geschichte
Das Haus meiner Urgroßeltern erkannte ich von den alten Bildern wieder.

Es war einmal ein riesiges Bürgerhaus, in dem eine Familie mit Personal lebte.

Heute ist darin ein dauerhaft geschlossenes Hotel.
Das Gebäude verfällt.
Auch beim Haus meines Großonkels kann man noch erkennen, wie schön es einmal gewesen sein muss.

Heute wirkt es baufällig und traurig.
Es war ein eigenartiges Gefühl, davor zu stehen.
Man kennt diese Häuser aus alten Schwarz-Weiß-Fotos. Man kennt Namen und Geschichten.
Und plötzlich steht man selbst dort.
Vor einem anderen Leben.
Und irgendwie doch vor dem eigenen.
Die Roten Berge
Von Mühlbach ging es weiter zu den Roten Bergen.
Eine bizarre rote Felslandschaft, deren verwitterte Formationen teilweise aussehen, als würden sie aus unzähligen Säulen bestehen.


Natürlich mussten wir dort herumklettern.
🤣
Teilweise wieder durchaus abenteuerlich.
Wir machten Fotos, schauten uns um und fuhren anschließend weiter nach Großau.
Ruf einfach an!
Den Tipp mit der Kirchenburg in Großau hatte ich von meinem Großcousin Otto bekommen.
Otto wurde in Mühlbach geboren und ist dort aufgewachsen, lebt aber schon lange in Wien.
Er meinte zu mir:
Wenn die Kirche zugesperrt ist, steht an der Tür eine Telefonnummer. Ruf einfach an und frag, ob du sie besichtigen kannst.

Ja, eh.
Ich rufe einfach irgendeinen fremden Menschen an und frage, ob er wegen uns eine Kirche aufsperren kommt.
🤣🤣🤣
Ich hätte das normalerweise wahrscheinlich nie gemacht.
Aber Otto hat gesagt …
Also rief ich an.
Und tatsächlich kam der Kurator der Kirche!

Er sperrte für uns auf, nahm sich Zeit und führte uns durch die ganze Anlage.
Wir sahen die Orgel, den alten Speckturm und die Kirchenburg und bekamen vieles erklärt, was wir alleine wahrscheinlich überhaupt nicht wahrgenommen hätten.


Und zum Abschied durften wir sogar Zwetschgen aus dem Garten mitnehmen.
Heilige Zwetschgen sozusagen.
🤣🤣🤣
Hermannstadt mit persönlichem Reiseführer
Danach ging es weiter nach Hermannstadt.
Und dort trafen wir Otto.
Zufällig war er zur gleichen Zeit wie wir in Siebenbürgen.
Otto ist Kunsthistoriker.
Und er liebt alles Alte.
🤣
Für eine Stadt wie Hermannstadt also genau der richtige Begleiter.
Er führte uns durch die Stadt, zeigte uns Hinterhöfe und erzählte uns von Besonderheiten, an denen wir alleine wahrscheinlich vorbeigegangen wären.
Natürlich zeigte er uns auch das Palais von Samuel von Brukenthal und sein Grab.


Hermannstadt selbst hat mir sehr gut gefallen.
Die Stadt ist schön restauriert und hat ein angenehmes Flair.
Sie wirkt jung, aufgeschlossen und aufstrebend.

Am Abend gingen wir mit Otto in ein typisches Restaurant.
Ich bestellte Krautwickel.
Michi entschied sich für einen Bauerneintopf mit Polenta.
Und zum Nachtisch gab es Palatschinken, gefüllt mit süßem Käse und Dill.
Dill!
Ich kann Dill eigentlich überhaupt nicht leiden.
Aber diese Palatschinken waren soooo gut!
🤣
Geschlafen haben wir übrigens ganz unspektakulär auf dem Parkplatz beim Bahnhof.
Und erstaunlich ruhig.
Ein Haus aus dem Familienalbum
Am nächsten Tag fuhren wir gemeinsam mit Otto nach Mediasch.
Auch dieser Ort gehört zu meiner Familiengeschichte.
Mein Opa hatte hier als Arzt gelebt.
Mit seiner ersten Frau und seinen drei Söhnen – meinen Onkeln.
Er war Arzt und ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft.
Dann kam der Krieg.
Er zog in den Krieg und konnte danach nicht mehr nach Siebenbürgen zurückkehren.
Später lernte er in der Steiermark meine Großmutter kennen und 1946 wurde meine Mutter geboren.
Auch das Haus in Mediasch kannte ich von alten Fotos aus unserem Familienalbum.

Und wieder standen wir plötzlich davor.
Gleich hinter der Stadtmauer beim Forkeschgässer Turm.
Es war eigenartig.
Irgendwie betrachtet man ein anderes Leben.
Und doch das eigene.

Otto zeigte uns natürlich auch die Altstadt, die Stadtmauer und die Kirche.


Kunsthistoriker eben.
Da kommt man nicht einfach so davon. 🤣
Kirchenburg und Käsejause
Von Mediasch ging es gemeinsam weiter nach Biertan, wo wir uns die beeindruckende Kirchenburg ansahen.




Und danach fuhren wir nach Meschen.

Dort lebt Lavinia, eine Freundin von Otto, die einen Biohof betreibt.
Und dort erwartete uns etwas, das nach all den Kirchen, Häusern und Geschichten genau richtig war:
eine Jause.
Aber was für eine!

Verschiedene selbst gemachte Käse, selbst gebackenes Brot, Birnen frisch vom Baum, Nüsse und Rosenmarmelade.
Göttlich gut!
Wir verbrachten einen richtig angenehmen Nachmittag bei Lavinia.
Danach brachten wir Otto zurück nach Mediasch und verabschiedeten uns.
Es waren besondere Tage gewesen.
Wir hatten nicht nur wunderschöne Orte in Siebenbürgen gesehen.
Ich hatte Häuser aus unserem alten Familienalbum wiedergefunden.
War durch Straßen gegangen, durch die schon mein Opa gegangen sein musste.
Hatte Menschen getroffen, die sich einfach so Zeit für uns genommen haben.
Und vielleicht auch ein kleines Stück besser verstanden, woher ein Teil meiner eigenen Geschichte kommt.
Dann stiegen wir wieder ins Wohnmobil.
Unser nächstes Ziel war Kerz.
Dort wollten wir übernachten.
Denn am nächsten Morgen wartete etwas völlig anderes auf uns:
der Transfăgărășan.
Aber das ist eine andere Geschichte …

sehr netter blog!