Eigentlich wollten wir auf unserem Campingplatz in Kerz zwei Nächte bleiben.

Eigentlich.

Denn das Wetter wollte es anscheinend anders. Für den nächsten Tag war Regen angesagt. Und zwar den ganzen Tag.

Na gut – bei Regen müssen wir wohl nicht unbedingt über den Berg!

Also haben wir nach nur einer Nacht wieder zusammengepackt und sind los.

Unser Campingplatzbesitzer war zwar der Meinung, dass wir schon ziemlich spät dran wären und deshalb mit viel Stau rechnen müssten. Aber ganz ehrlich: Stau ist blöd – schlechtes Wetter und keine Sicht am Berg sind noch blöder.

Also los!

150 Kilometer bis Pitești.

Das war der Plan für diesen Tag.

Wobei … auf der Anfahrt sah das Ganze auch nicht gerade vielversprechend aus. Wolken hingen über den Bergen und so richtig nach guter Sicht sah es nicht aus.

Was soll’s. Jetzt waren wir schon unterwegs. 😄

Eine Straße über die Karpaten

Der Transfăgărășan wurde zwischen 1970 und 1974 gebaut. Die spektakuläre Straße über das Făgăraș-Gebirge entstand unter Nicolae Ceaușescu und wurde zu einem großen Teil von Soldaten unter ziemlich extremen Bedingungen gebaut.

Kaum zu glauben, wenn man heute einfach mit dem Wohnmobil darüberfährt.

Und dann begann unsere Auffahrt.

Wow!

Diese Straße ist wirklich atemberaubend.

Enge Kehren, eine relativ schmale Straße, auf der einen Seite die Felswand und auf der anderen der Abgrund.

Und wir mittendrin mit unserem Wohnmobil.

Da schaut man als Beifahrerin schon einmal ein bisschen genauer aus dem Fenster.

Oder vielleicht besser auch nicht. 😳

Aber überraschenderweise ging es richtig gut voran.

Und auch das Wetter wurde immer besser.

Irgendwann kam tatsächlich die Sonne heraus und so ging es Kehre um Kehre immer höher hinauf.

In vielen Kurven gibt es kleine Plätze zum Stehenbleiben. Also hatten wir genug Zeit und Gelegenheit für Fotos.

Und davon braucht man auf dieser Straße einige. 😉

Der angekündigte Stau?

Der kam.

Aber erst knapp vor der Passhöhe.

Und besser hätte es eigentlich gar nicht laufen können.

Denn gerade die letzten Kilometer sind spektakulär. Die Straße steigt steil durch ein weites Tal nach oben und von hier sieht man dieses berühmte graue Asphaltband, das sich in unzähligen Kurven den Berg hinaufschlängelt.

Grandios!

Und dann schien auch noch die Sonne.

Perfekt

Einmal durch den Berg

Auf etwas über 2.000 Metern erreicht die Straße ihren höchsten Punkt. Beim Bâlea-See verschwindet sie im Berg und führt durch einen fast 900 Meter langen Tunnel auf die andere Seite des Făgăraș-Gebirges.

Den Bâlea-See selbst haben wir links liegen lassen und sind gleich durch den Tunnel gefahren.

Und auf der anderen Seite erwartete uns –

Sonne!

Und ein mindestens ebenso schönes Bergpanorama.

Auch hier schlängelt sich das graue Asphaltband über die grünen Berghänge.

Nur diesmal nicht hinauf, sondern ziemlich steil bergab.

Wo sind denn jetzt die Bären?

Man hatte uns erzählt, dass es hier Bären geben soll.

Und zwar nicht irgendwo weit weg im Wald, sondern direkt neben der Straße.

Bis jetzt hatten wir zwar schon einige Schilder mit

„Don’t Feed the Bears“

gesehen.

Nur Bears hatten wir keine gesehen.

Ich hatte das Ganze mittlerweile schon als touristisches Märchen abgetan. 😉

Gleich nach der ersten großen Kurve kamen einige Stände mit Würsten, Käse und Honig.

Na bitte.

Ein gefundenes Fressen für Bären. 🤣🤣🤣

Wir blieben natürlich stehen und deckten uns mit Käse, Hirschwurst und Lendbratl ein, holten noch frisches Wasser von der Bergquelle und weiter ging’s.

Was soll ich sagen?

Plötzlich wurden die Autos vor uns langsamer.

Und da hab ich ihn gesehen.

Unseren ersten Bären in freier Wildbahn. 😳

Also doch kein touristisches Märchen!

Da saß er tatsächlich.

Einfach so.

Direkt neben der Straße.

Und ich war hin und weg. ❤️

Und er sollte nicht der letzte bleiben.

Insgesamt haben wir an diesem Tag 13 Bären gesehen!

Eine Mama mit drei Jungen, eine mit zwei, eine mit einem Jungen und dazu noch einige einzelne Tiere.

DREIZEHN!

Von wegen touristisches Märchen. 🤣

Und dann waren da ja noch diese Schilder.

„Don’t Feed the Bears.“

Ja eh.

Aber Weintrauben?

Weintrauben zählen doch sicher nicht.

Oder? 😇

Wir saßen im Wohnmobil und ich griff nach dem Sackerl mit den Trauben.

Ich drehte mich wieder zum offenen Fenster –

und plötzlich war der Bär knapp einen Meter von mir entfernt.

😳😳😳

Okay.

Damit hatte ich nicht gerechnet.

Ich bin echt erschrocken.

Aber das Füttern war dann doch spannender. 🤣

Also bekam der Bär seine Weintrauben.

Und Michi?

Der fotografierte.

Und fotografierte.

Und machte dabei wirklich geniale Bilder.

Nachtrag mit etwas mehr Vernunft als in diesem Moment: Wilde Bären zu füttern ist natürlich keine gute Idee und sollte definitiv nicht nachgemacht werden. Außerdem sind die Strafen wirklich drakonisch!

Aber in diesem Moment?

Da war ein Bär.

Ich hatte Weintrauben.

Und meine Vernunft hatte offenbar gerade Pause. 🤣

Wo ist das ganze Wasser?

Nach den Bären wurde es wieder etwas ruhiger.

Gegen Ende der Abfahrt liegt der riesige Vidraru-Stausee.

Und dort standen wir zum zweiten Mal an diesem Tag im Stau.

Zuerst sind wir einfach vorbeigefahren.

Dann haben wir uns angeschaut.

Nein.

Da müssen wir zurück. 😄

Also umgedreht, zurückgefahren und unser Wohnmobil auf einem ziemlich schwindligen Parkplatz abgestellt.

Von dort ging es zu Fuß zur Staumauer.

Und der Anblick war beeindruckend – aber auch erschreckend.

Dem Stausee fehlten geschätzt gut 30 Meter Wasser. An den kahlen Ufern konnte man deutlich sehen, wie viel höher der Wasserspiegel normalerweise sein müsste.

Echt besorgniserregend!

Wie wir später herausgefunden haben, war unsere Sorge allerdings unbegründet.

Der Vidraru-Stausee war seit August 2025 für umfangreiche Sanierungsarbeiten kontrolliert abgesenkt worden. Seit April 2026 wird er schrittweise wieder aufgefüllt.

Wir waren also nicht Zeugen einer Umweltkatastrophe, sondern einer riesigen Baustelle. 😄

Und dann war da noch die St. Pöltnerin …

Ach ja.

Auf unserem Campingplatz in Kerz stand neben uns eine Frau aus St. Pölten mit ihrem Hund.

Eine der wenigen Begegnungen mit Österreichern auf unserer bisherigen Reise.

Warum ich das jetzt erzähle?

Weil wir unsere geplanten 150 Kilometer bis Pitești an diesem Tag dann doch nicht mehr geschafft haben.

Irgendwann war genug.

Ich suchte uns einen Campingplatz noch vor Pitești und wir fuhren zur Rezeption.

Und wer stand vor uns?

Die St. Pöltnerin. 🤣

Natürlich.

Und als wäre das noch nicht genug, bekamen wir unsere Plätze wieder nebeneinander.

Rumänien ist groß.

Campingplätze gibt es einige.

Und trotzdem standen wir am Abend wieder neben unserer Nachbarin aus Kerz. 😄

Am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege dann endgültig.

Für sie ging es zum Schloss Bran.

Für uns ging es weiter nach 

Bukarest!

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